Elementare Gesundheitspflege

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Mehr als "Babystreicheln"

Nähe und Berührungen sind für jedes Neugeborene wohltuend und wichtig. Bei Frühchen im Brutkasten oder Babys auf der Intensivstation kommt der körperliche Kontakt mit der Mutter leider zu kurz und kann auch nicht durch das medizinische Personal ersetzt werden. Um auch diesen Kindern Nähe und Geborgenheit zu geben, haben wir eine professionelle „Babystreichlerin“ engagiert, die mehrmals wöchentlich die Babys im UKM Münster besucht.

Durch geschulte Bewegungen und kleine Massagen gibt sie den kleinen Geschöpfen das Gefühl, nicht allein zu sein. Die körperlichen Berührungen regen das Immunsystem an und beruhigen das Neugeborene.

Ute Köncke ist seit vielen Jahren als Elementare Gesundheitspflegerin und “Babystreichlerin” auf der Herzkinder-Station aktiv. Hier schildert sie, was sie an ihrem Beruf so erfüllend findet und was EPG alles bewirken kann:

Mit sanften Berührungen Nähe und Wärme spenden - Ute Köncke über ihre Arbeit in der elementaren Gesundheitspflege:

Seit über 10 Jahren bin ich bereits mit den Anwendungen der Elementaren Gesundheitspflege (EGP) in der Kinderdialyse der Uniklinik Münster tätig und seit Anfang 2019 nun auch auf der Herzkinder-Station. Dieses Engagement erfolgte auf Anfrage des Vereins Herzkranke Kinder e.V. Münster und wird auch durch diesen finanziert. Die Arbeit mit den herzkranken Kindern und ihren Familien erfreut mich besonders, da ich selbst mit einem Herzfehler auf die Welt kam und im Alter von drei Jahren daran in der Uniklinik Münster operiert wurde.

Inzwischen bin ich 51 Jahre alt, verheiratet und Mutter von einem 17-jährigen Sohn und einer 15-jährigen Tochter. Ich bin Sportwissenschaftlerin/-pädagogin M.A. sowie lizensierte Rückenschullehrerin.

Den Ansatz der EGP habe ich vor 22 Jahren von der Begründerin und meiner Lehrerin Erna Weerts kennengelernt, als ich selbst noch einmal sehr krank war. Erna Weerts ist Gesundheits- und Krankenpflegerin und hat aus den Grundformen der Pflege, dem Begegnen, Wahrnehmen, Berühren, Wärmen und Bewegen, ein einfaches und praxisnahes Konzept zur Selbst- und Familienpflege sowie zur Pflegetherapie entwickelt.

Dabei werden die Hände muschelförmig gewölbt auf verschiedene Stellen des Körpers gelegt oder über bestimmte Körperregionen gestrichen. So gibt es z.B. Fuß-, Hand- und Rückenstreichungen, die alle ganz achtsam mit dem Handballen der muschelförmig gewölbten Hände ausgeführt werden und dadurch ein besonders angenehmes Wärme- und Berührungserleben ermöglichen.

Da die Anwendungen sehr einfach zu erlernen sind, können sie leicht von den Eltern und teilweise sogar von den Kindern ab einem gewissen Alter selbst ausgeführt werden. So konnte ich schon vielen Eltern auf der Herzkinder-Station die einfachen Anwendungen zeigen, damit sie diese bei ihrem kranken Kind und ggf. auch bei den Geschwisterkindern durchführen können.

Die Erfahrung zeigt, dass gerade nach Operationen die Eltern sehr froh sind, wenn sie etwas an die Hand bekommen, was sie selbst bei ihrem Kind machen können. Da sie die Anwendungen je nach dem Befinden des Kindes anpassen können, merken die Eltern oft sehr schnell, wie sinnvoll sie ihr Kind dadurch unterstützen können.”

Die Kinder werden schneller ruhig und können sich besser entspannen. Auch wirkt die ruhige und wärmende Berührung schmerzlindernd und erhöht die Selbstkompetenz der Eltern im Umgang mit ihrem kranken Kind.

Bei einigen Eltern ist es jedoch auch sinnvoll, diese selbst zu begleiten. Sie müssen sich bei den oft tage-, wochen oder sogar monatelangen Aufenthalten in der Klinik ganz auf die Belange ihres kranken Kindes einstellen und vergessen nicht selten ganz ihre eigenen Bedürfnisse. Dann zeige ich ihnen Anwendungen, die sie bei sich selbst durchführen können und mache, wenn dies gewünscht ist, auch zusätzlich Anwendungen bei ihnen. Dies kann direkt im Zimmer erfolgen oder manchmal auch im Elternzimmer der Intensivstation, wo auch eine Liegemöglichkeit besteht. Einige Eltern genießen die Anwendungen sehr und können dabei einmal wieder auf sich selbst achten und einfach etwas entspannen.

So war einmal ein Vater eines herzkranken Mädchens ganz erfreut, als er eine Anwendung erhielt, bei der er gemütlich zugedeckt im Bett lag, die eigenen Hände in Muschelform auf seinem Oberkörper ruhend, während ich einige Minuten in Ruhe an seinen Füßen und danach an seinen Ohren verweilte.

Seine Frau erzählte mir bei dem nächsten Klinikaufenthalt, dass er zu Hause noch häufiger Freunden von diesem angenehm warmen und entspannenden Erlebnis erzählt habe. Bei einem 10-jährigen Mädchen, das nach einer Herz-Operation weder mit ihrer Mutter reden noch von ihr berührt werden wollte, konnte zunächst durch das alleinige Beobachten von Anwendungen an einem anderen Kind schon etwas Entspannung ermöglicht werden. Am nächsten Tag durfte dann zunächst ich und anschließend auch beide Eltern eine freilassende Fußstreichung durchführen.

Das Mädchen fand dies so schön, dass sie von da an immer wieder die Fußstreichung einforderte und ganz aus ihrer Schockstarre herauskam.

Bei einem kleinen herzkranken Jungen war es die ältere Schwester, die so begeistert von der Rückenstreichung war, dass sie davon nicht genug bekommen konnte. Und bei einem anderen kleinen herzkranken Baby war es ebenfalls die ältere Schwester, die nun aber unbedingt Anwendungen kennenlernen wollte, um sie bei ihrem kleinen Bruder selbst durchzuführen.

Die Anwendungen ermöglichen nicht selten diese schönen Rollentauscherlebnisse. Hier sollten nur einige wenige Erfahrungen kurz angedeutet werden, um einen kleinen Einblick zu geben.

Ich freue mich immer sehr, neuen Patienten und ihren Familien den Ansatz zu zeigen und hoffe sehr, dass ich dieses auch im nächsten Jahr weiter auf der Herzkinder-Station durchführen darf.

Ute Köncke

Hilfst du uns zu helfen?

Wir möchten möglichst viele Herzkinder durch solche wohltuenden EPG-Anwendungen unterstützen. 30 Minuten “Babystreicheln” kosten ca. 30 €. Du kannst gezielt und zweckgebunden mit deiner Spende das Projekt “Babystreicheln” unterstützen. Jeder Euro hilft. Danke!