Mit Herzkind auf Reisen

Mit Herzkind auf Reisen?!

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Egal ob im Sommer, Winter oder einfach mal zwischendurch: Urlaub ist doch immer wieder ein Highlight. Mit Urlaub werden verschiedene Wünsche und Pläne verbunden, die entweder alleine oder mit mehreren realisiert werden wollen. Doch was passiert, wenn mit Urlaub keine Auszeit assoziiert wird, sondern vielmehr Angst, Unsicherheit und Stress? Für Eltern von Herzkindern ist Urlaub mitunter genau das, weshalb sich viele Eltern einige Fragen stellen. Worauf muss ich achten, wenn ich mit einem chronisch kranken Kind in den Urlaub fahren möchte? Ist Urlaub überhaupt möglich?

Natürlich gibt es kein Patentrezept für einen Urlaub mit einem Herzkind. Allerdings sollten sich alle Beteiligten viel Zeit für die Planung nehmen, um bestens vorbereitet zu sein. Doch, was gehört alles zur Vorbereitung?

Allgemeine Vorbereitung

In erster Linie muss natürlich der Gesundheitszustand des Herzkindes einen Urlaub erlauben. Hierzu sucht ihr am besten das Gespräch mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin. Sprecht mit ihm bzw. ihr durch, was für ein Urlaub euch vorschwebt und ob dies mit dem Gesundheitszustand des Herzkindes vereinbar ist. Kurz vor dem Urlaub ist zudem ein Check-up hilfreich, um im Zweifelsfall eine Verschlechterung der Werte rechtzeitig vor dem Urlaub zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Lasst euch von dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin wichtige Informationen und Fakten über den Herzfehler ausstellen. Die Befunde können bei Bedarf auch in weitere Sprachen übersetzt werden. Auf jeden Fall sollte in dem Dokument der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin und die Kontaktdaten notiert werden.

Außerdem solltet ihr euch darüber Gedanken machen, was für euch wichtig ist und worauf ihr achten wollt. Ratsam ist an dieser Stelle auch eine realistische Einschätzung. Der Herzfehler wird für die Urlaubszeit nicht verschwinden. Auf der anderen Seite wird niemand den Urlaub genießen können, wenn von Anfang an eine Art Panikstimmung herrscht.
Unser Tipp: Sprecht den Kinderarzt oder den Kinderkardiologen auf eure Ängste und Sorgen an. Tauscht euch mit anderen Eltern aus.

Besonders bei längeren Reisen oder Reisen außerhalb der EU solltet ihr den behandelnden Arzt bzw. die behandelnde Ärztin auf Risiken oder Reisevorkehrungen ansprechen. Mitunter sind auch bestimmte Impfungen notwendig und nützlich. Sollte euer Kind einen Herzschrittmacher oder Defibrillator haben, zieht auf alle Fälle den oder die Kinderkardiolog*in hinzu.

Wenn ihr plant ins Ausland zu reisen, checkt auf alle Fälle euren Mobilfunktrarif. Im Notfall könnt ihr die Praxen in der Heimat erreichen oder entsprechende Ärzte im Ausland kontaktieren, ohne dass Zusatzkosten auf euch zukommen.

Urlaub machen - aber wo?

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Überlegt euch in Ruhe, welche Orte euch interessieren UND mit dem Herzfehler gut vereinbar sind. Hat euer Herzkind Schwierigkeiten mit dem Blutdruck, sind Höhen ab 1500 m über dem Meeresspiegel mitunter sehr anstrengend für das Herzkind. Auch Hitze kann bei einem Herzkind mit labilem Kreislauf  schnell zu Problemen führen. Die medizinische Versorgung sollte stets gesichert sein. Deshalb solltet ihr euch über die medizinischen Standards in dem jeweiligen Land informieren, besonders wenn euer Reiseziel außerhalb der EU liegt. Ein anderer zu beachtender Aspekt ist die Entfernung von eurer Unterkunft zum nächsten Krankenhaus. Befindet sich eure Unterkunft weit außerhalb, bedeutet das, dass eine längere Zeit bis zum Eintreffen der Notfallsanitäter:innen vergeht.

Auto, Bahn oder doch das Flugzeug?

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Je nachdem, wo ihr plant euren Urlaub zu verbringen, müsst ihr euch für ein Transportmittel entscheiden. Natürlich spielen auch die Kosten und die Zeit eine Rolle, sowie eure eigenen Vorlieben. Egal für welches Transportmittel ihr euch entscheidet, wichtige Medikamente oder medizinische Geräte gehören auf alle Fälle ins Handgepäck und nicht in den Koffer! Die Medikamente und Geräte müssen im Notfall schnell ausgepackt werden können. Daher ist es wichtig, dass alle wissen, wo die Medikamente aufbewahrt werden. Eine große Suchaktion durch mehrere Taschen ist in einem Notfall weder hilfreich noch stresslindernd. Plant ausreichend Zeit für Pausen und Zwischenstopps ein. Das vermeidet Stress und schont die Kräfte aller Mitreisenden.

Für das Reisen mit dem Flugzeug gelten strengere Regeln als beispielsweise für das Reisen mit der Bahn. Deshalb möchten wir an dieser Stelle noch etwas genauer auf das Reisen mit dem Flugzeug eingehen. Normalerweise stellt das Fliegen selten ein Problem für Herzkinder dar. Trotzdem solltet ihr vorher mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin abklären, ob der Gesundheitszustand des Herzkindes das Reisen mit dem Flugzeug erlaubt.

Im Handgepäck solltet ihr alle Papiere und Dokumente zum Herzfehler und ggfs. zum Herzschrittmacher oder Defibrillator stets griffbereit haben. Medizinische Geräte und (flüssige) Medikamente sollten ebenfalls im Handgepäck verstaut werden. Zum einen sind die Medikamente und Geräte so im Notfall schnell aufzufinden, auf der anderen Seite können durch die niedrigen Temperaturen im Frachtraum Geräte wie beispielsweise Blutgerinnungsprüfgeräte oder Messtreifen beschädigt werden. Um Geräte oder Medikamente im Handgepäck mitführen zu dürfen, braucht ihr ein Attest vom Arzt. Sollte euere Herzkind im Alltag besonders eingeschränkt sein, beispielsweise durch ein Sauerstoffgerät, einen Rollstuhl oder anderes, sprecht am besten das Flughafenpersonal beim Ein-und Um- bzw. Aussteigen auf Hilfe an.

Sind wir ausreichend versichert?

Wenn ihr innerhalb der EU reist, solltet ihr euch auf alle Fälle von eurer Krankenkasse die europäische Krankenkarte ausstellen lassen. Die Karte erhaltet ihr kostenlos und ermöglicht die Kostenerstattung medizinischer Versorgungen vor Ort. Ohne die Karte und eine entsprechende Versicherung kann der Besuch beim Arzt schnell sehr teuer werden. Im Zweifelsfall solltet ihr eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Prüft im Detail, welche Leistungen von der Auslandkrankenversicherung übernommen werden und welche nicht. Klärt alle eure Fragen vor dem Urlaub und lest euch die Police genau durch.

Stornieren, aber bis wann?

Ein weiterer Punkt, den ihr beachten sollte, ist die Kündigungsfrist eures Reiseanbieters. Nichts ist ärgerlicher, als eine bezahlte Reise, die kurzfristig, beispielsweise wegen gesundheitlicher Gründe nicht angetreten werden kann. Da bei einem Herzkind der Gesundheitszustand labiler ist als bei gesunden Kindern, kann es öfter passieren, dass eine geplante Reise verschoben werden muss. Deshalb solltet ihr im Vorfeld die Kündigungsfrist erfragen und mitunter verlängern. Das Szenario eines spontanen Abbruchs der Reise sollte im Vorfeld ebenfalls mit dem Reiseanbieter besprochen werden.

Was tun im Notfall?

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Vor eurem Urlaub solltet ihr euch einen Notfallplan und mitunter auch einen Notfalltasche zurecht legen. Überlegt, welche Schritte nacheinander folgen müssen und wer welche Aufgabe übernehmen kann. Bezieht alle Mitreisenden mit ein, sodass jeder Bescheid weiß, was zu tun ist oder wo die entsprechenden Unterlagen und Medikamente zu finden sind. Natürlich sollten Geschwisterkinder oder andere mitreisende Kinder ihrem Alter angemessen einbezogen werden. Vermeidet Überforderung aber lasst Kinder nicht automatisch außen vor. Auch sie betrifft die Situation und sie haben ein Recht darauf einbezogen zu werden.

Tipps für den Notfall

Doch was passiert, wenn es wirklich zum Ernstfall kommt? In erster Linie solltet ihr Ruhe bewahren. Ihr habt euch gut vorbereitet und einen Plan. An den solltet ihr euch halten! Wenn das Herzkind in ein Krankenhaus eingeliefert wird, lasst euch auf alle Fälle die Einweisung für die Versicherung bescheinigen. Hebt außerdem alle ausländischen Rezepte auf. Plant gemeinsam mit den Ärzten vor Ort und denen in der Heimat das weitere Vorgehen. Bezieht unbedingt auch die Versicherung mit ein.

Die Vorbereitungen für einen Urlaub mit Herzkind können mitunter sehr aufwendig sein. Trotzdem sollte euch das nicht davon abschrecken, in den Urlaub zu fahren, wenn der Gesundheitszustand des Herzkindes dies zulässt und ihr gerne fahren wollt. Außerdem ist dies eine wichtige Erfahrung für das Herzkind, wenn es später mit Freunden und einem Partner bzw. einer Partnerin in den Urlaub fahren möchte.

Unser Tipp: Macht doch erst einmal einen Urlaub in Deutschland. So könnt ihr die Vorbereitungen üben, aus Erfahrungen lernen und im Zweifelsfall in einem vertrauten medizinischen System Hilfe anfordern. Das stärkt euer Vertrauen in euch selbst und eure Kompetenzen.

Wir hoffen, dass euch dieser Beitrag bei der Planung eures Urlaubs unterstützt. Für weitere Informationen rund um das Thema angeborener Herzfehler schaut gerne mal in unsere Willkommenbroschüre. Dort finden Eltern viele wichtige Informationen und Tipps. Die Broschüre könnt ihr im Internet aufrufen oder über unsere Geschäftsstelle in Papierform erhalten.