Schwangerschaft mit Herzfehler

Mutter werden mit / trotz angeborenem Herzfehler

Wenn Herzkinder erwachsen werden stellt sich früher oder später die Frage nach einer eigenen Familie. Eine Schwangerschaft ist für den weiblichen Körper ohnehin schon eine Herausforderung und kann auch für gesunde Frauen mit zahlreichen Risiken und Komplikationen einhergehen. Was bedeutet eine Schwangerschaft für eine Frau mit angeborenem Herzfehler bzw. was gilt es für sie zu beachten?

Die gute Nachricht vorneweg: Grundsätzlich gilt heute, dass die meisten Frauen mit einem angeborenen Herzfehler Kinder bekommen können. Die Voraussetzung dafür aber ist, dass die Frauen individuell beraten und betreut sowie sorgfältig überwacht werden – und zwar gemeinsam von Kardiologen und Gynäkologen.

Schwangerschaft fordert Herz- und Kreislaufsystem

In der Schwangerschaft laufen Herz und Kreislauf auf Hochtouren: Bereits in den ersten Wochen beginnt das Herz schneller zu schlagen. Gegen Ende der Schwangerschaft ist der Herzschlag um etwa 20 Schläge pro Minute erhöht, das Blutvolumen um das Anderthalbfache. Bei Frauen mit Vorerkrankungen kann es dadurch zu Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen kommen. Zudem kann die gesteigerte Gerinnbarkeit des Blutes während der Schwangerschaft zu Problemen führen. Beispielsweise kann bei Patientinnen mit künstlichen, mechanischen Herzklappen die Gefahr von Klappenthrombosen bestehen.

Eine Schwangerschaft ist für den Körper mit Anstrengung verbunden. Eine Frau mit einem angeborenen Herzfehler sollte im Vorfeld mit dem behandelnden Kardiologen beziehungsweise der behandelnden Kardiologin ein Gespräch aufsuchen. In diesem Gespräch sollte besprochen werden, ob der (aktuelle) Gesundheitszustand der Frau eine Schwangerschaft ermöglicht. In diesem Gespräch sollte der Partner beziehungsweise die Partnerin ebenfalls anwesend sein. Der Partner beziehungsweise die Partnerin sollte über die Risiken einer möglichen Schwangerschaft Bescheid wissen. Abhängig von der Schwere des angeborenen Herzfehlers zählt eine mögliche Schwangerschaft zu einer Risikoschwangerschaft und wird dementsprechend enger medizinisch begleitet.

Zu dieser engmaschigen medizinischen Betreuung zählen regelmäßige, in kurzen Abständen stattfindende Termine beim Gynäkologen beziehungsweise bei der Gynäkologin. Der Gynäkologe beziehungsweise die Gynäkologin sollte eine Überweisung für die Pränataldiagnostik und die Kardiologie ausstellen, damit eine gute Zusammenarbeit dieser drei Fachbereiche gewährleistet ist. Außerdem wird es mehrere Termine bezüglich der Pränataldiagnostik geben, um einen möglichen angeborenen Herzfehler beim ungeborenen Kind frühzeitig erkennen zu können.

Des Weiteren stehen alle 6-8 Wochen Termine bei dem behandelnden Kardiologen beziehungsweise der behandelnden Kardiologin an. Besonders wichtig ist eine kardiologische Kontrolle in der 28. Schwangerschaftswoche, da in dieser das Blutvolumen am höchsten ist. Wenn der Gesundheitszustand eine natürliche Geburt zulässt, sollte eine natürliche Geburt bevorzugt werden, da beim Kaiserschnitt der Blutverlust höher ist. Gegebenenfalls sollten zusätzliche Medikamente oder Nährstoffe zur Unterstützung eingenommen werden zum Beispiel Magnesium oder Eisen. Sollte die Ausübung des Berufs während der Schwangerschaft zu anstrengend sein beziehungsweise werden, kann der Gynäkologe beziehungsweise die Gynäkologin ein vorübergehendes Berufsverbot zum Schutz der Schwangeren ausstellen.

Gute Planung für eine gute Geburt

Die körperliche Anstrengung bei einer Geburt sollten nicht unterschätzt werden, weshalb eine ausführliche Absprache im Vorfeld mit dem medizinischen Personal stattfinden sollte. In diesem Gespräch sollte die Geburt geplant werden, beispielsweise ob eine natürliche Geburt stattfinden soll oder ein Kaiserschnitt und ob die Geburt durch das Klinikpersonal eingeleitet werden soll. Für die Geburt sollte die Klinik des Vertrauens ausgewählt werden. Idealerweise ist die Frau in diesem Krankenhaus auch wegen ihres angeborenen Herzfehlers in Behandlung. Die Ärzte und Ärztinnen sind somit mit der medizinischen Betreuung der Frau vertraut. Nach der Geburt steht zeitnah ein weiterer Termin beim Kardiologen beziehungsweise bei der Kardiologin an.

Selbstfürsorge ganz wichtig!

Besonders wichtig ist, dass du während der Schwangerschaft und der Geburt sowie nach der Geburt gut auf deinen Körper achtest und gegebenenfalls bei Unregelmäßigkeiten einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchst.

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Disclaimer: Dieser Beitrag soll nur einen kleinen Einblick geben, was bei einer Schwangerschaft mit angeborenem Herzfehler zu beachten ist. Der Beitrag stellt keinen Ersatz zu den Gesprächen mit dem medizinischen Fachpersonal dar. Außerdem sind jede Schwangerschaft und jeder Herzfehler individuell, weshalb sich das Vorgehen zu dem im Beitrag beschriebenen Vorgehen unterscheiden kann. Bei Unsicherheiten sollte in jedem Fall ein Gespräch mit dem medizinischen Fachpersonal aufgesucht werden.